B 304 Machbarkeitsstudie Ortsumfahrung Kirchseeon

Die Baumaßnahme B 304 Ortsumfahrung Kirchseeon ist im Bundesverkehrswegeplan 2003 in der Dringlichkeitsstufe „Weiterer Bedarf“ unter „Neue Vorhaben mit festgestelltem hohen ökologischen Risiko“ enthalten. Für diese Projekte, werden als Realisierungszeitraum die Jahre nach 2015 vorgesehen. Die Planung darf nur in begründeten Fällen aufgenommen oder weiter betrieben werden.
Der offizielle Planungsauftrag wurde 2008 von Karin Roth, der damaligen parlamentarischen Staatssekretärin beim BMVBS (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung), erteilt. Nachdem 2007 die Ortsumfahrung Zorneding fertig gestellt wurde und sich die Südumfahrung Ebersbergs im Zuge der B 304 im seit 2010 unter Verkehr befindet, haben sich die Verkehrsbelastungen verschoben. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie hat das Staatliche Bauamt Rosenheim die vom Staatlichen Bauamt München erarbeiteten Unterlagen von 2002 aktualisiert.

Die Studie wurde am 01.02.2010 im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung in Zorneding vorgestellt.

Im Frühjahr 2011 wurden von der Marktgemeinde zwei weitere Varianten, eine weiträumige Südumfahrung, sowie eine weiträumige Nordumfahrung, vorgeschlagen.
Diese beiden Trassen wurden vom Staatlichen Bauamt untersucht, bewertet und den anderen Trassen der Machbarkeitsstudie von 2009 in einer Erweiterung der Studie gegenübergestellt. Die Aktualisierung der Unterlagen wurde an die Marktgemeinde übergeben.

Zusammenfassung

Die Studie von 2009 untersucht vier von der Marktgemeinde Kirchseeon, bzw. deren Arbeitsgruppe, vorgeschlagene Varianten zur Entlastung des Marktes vom Ost-Westverkehr der B 304.
Variante 1, die sogenannte „Nordumfahrung“ zeigt vor allem hinsichtlich naturschutzfachlicher Gesichtspunkte Konflikte auf. Durch ihre Weiträumigkeit und die fehlende Möglichkeit einer zusätzlichen Anbindung Kirchseeons wird die Variante für den Ziel- / Quellverkehr sehr umwegig. Die Kosten von rd. 151 Mio. € für ca. 6,7 km Bundesstraße sind durch den langen Tunnel bedingt.
Die Variante 2, der Tunnel unter der bestehenden B 304, hat durch den Tunnelbau im Ortsbereich Eingriffe und Umbaumaßnahmen zur Folge. Die Verkehrswirksamkeit auch für den Ziel- / Quellverkehr ist von allen Varianten durch die Nähe zur Bebauung und dem zusätzlichen Anschluss in Eglharting voraussichtlich am höchsten. Hier sei noch einmal auf die für Verkehrsteilnehmer absehbar schwer begreifbare Anschlussstelle hingewiesen. Durch die kürzere Baulänge der V2 können allerdings Teile Kirchseeons im Osten nicht entlastet werden. Naturschutzfachlich sind Konflikte zu erwarten. Die Kosten von rd. 105 Mio. € bei ca. 4,9 km Baulänge sind durch die aufwändige Tunnelbauweise bedingt.
Variante 3 und 4 kann man in der Bewertung einiger Punkte zusammenfassen. Im Bezug auf Landschaftsschutzgebiete und FFH-Gebiete weisen die beiden kein Konfliktpotential auf. Allerdings sind die Eingriffe in Wasserschutzgebiete, Waldgebiete und landwirtschaftliche Nutzflächen größer als bei V1 und V2. Durch den weiträumigen Verlauf der beiden Trassen wird die Verkehrswirksamkeit für den Ziel- / Quellverkehr voraussichtlich geringer sein, als bei V1 und V2. Im direkten Vergleich mit V4 ist Variante 3 die verträglichere und mit rd. 96 Mio. € bei ca. 6,5 km Länge im Gegensatz zu V4 mit rd. 136 Mio. € bei ca. 7,2 km Länge die kostengünstigere Alternative.
Die Gesamtkosten liegen bei allen Varianten sehr hoch. Das kann vor allem auf die sehr kostenintensiven Tunnelbauwerke zurückgeführt werden.

Bei der Erweiterung der Machbarkeitsstudie von 2009 zur B 304 Ortsumfahrung Kirchseeon / Eglharting wurden zwei weitere von der Marktgemeinde Kirchseeon, bzw. deren Arbeitsgruppe, vorgeschlagene Varianten zur Entlastung des Marktes vom Ost-Westverkehr der B 304 untersucht und bewertet.
Variante 6, die sogenannte „weiträumige Nordumfahrung“ zeigt, wie bereits Variante 1, vor allem hinsichtlich naturschutzfachlicher Gesichtspunkte Konflikte auf. Auch die vorgeschlagene Reduzierung des Eingriffs in das FFH-Gebiet gegenüber Variante 1 hat darauf kaum Einfluss, da selbst die Nähe zum FFH-Gebiet wegen der mittelbaren Beeinträchtigung in die Prüfung der Verträglichkeit mit einbezogen wird und die unmittelbare Beeinträchtigung durch den baulichen Eingriff weiterhin hoch bleibt. Außerdem darf der Eingriff in den als Landschaftsschutzgebiet, sowie Bannwald deklarierten Ebersberger Forst nicht unberücksichtigt bleiben. Bei zumutbaren Alternativen ohne oder mit geringerer Beeinträchtigung von Natura 2000-Gebieten müsste die Variante ausscheiden. Ein weiterer Aspekt ist die Weiträumigkeit und die fehlende Möglichkeit einer zusätzlichen Anbindung Kirchseeons, bzw. Eglhartings. Die Variante 6 wird für den Ziel- / Quellverkehr voraussichtlich sehr umwegig und wenig wirksam sein. Die Kosten liegen bei rd. 105 Mio. € für ca. 7,3 km.
Variante 5, die „weiträumige Südumfahrung“, weist im Bezug auf Landschaftsschutzgebiete und FFH-Gebiete voraussichtlich kein Konfliktpotential auf. Allerdings sind die Eingriffe in Wasserschutzgebiete und Waldgebiete nicht unerheblich. Vor allem der Ausgleich der Waldflächen, insbesondere des Bannwaldes, schlägt hier zu Buche. Durch den weiträumigen Verlauf wird die Verkehrswirksamkeit für den Ziel- / Quellverkehr voraussichtlich geringer sein, als bei V3 und V4. Anbindungen sind deshalb entgegen der Forderung der Arbeitsgruppe unabdingbar und berücksichtigt.
Beim direkten Vergleich von V5 und V6, ist Variante 5 die verträglichere Variante und mit rd. 37 Mio. € bei ca. 9,21 km Länge im Vergleich mit den anderen bisher untersuchten Varianten (V1 - V4) die kostengünstigste Alternative.
Hier noch einmal zum Vergleich die Anmeldedaten der 2003 für den BVWP angemeldeten Wahllinie der Ortsumfahrung Kirchseeon, wobei diese unter den heutigen Randbedingungen so nicht mehr realisierbar erscheint: 5,2 km Länge mit Kosten von 17,4 Mio.€

In der Studie wurden alle relevanten Kriterien, die für oder gegen die jeweilige Variante sprechen erhoben, bewertet und in einer Tabelle gegenübergestellt.

Tabelle
Übersichtslageplan