Hauptzollamt Rosenheim

Sanierung Altbau
Baubehinn: Herbst 2008
Gesamtkosten: 0,9 Mio. €
Projektleiter: Albert Eichinger, Tel. 08031 / 394-1278

Flurbereich vor und nach der Sanierung


Erweiterungsbau Hauptzollamt Rosenheim (2005-2007)

Geschichte

Im Jahre 1878 wurde das „Königlich Bayerische Hauptzollamt“ mit einem Hauptgebäude und einem erdgeschoßigen Anbau als Abfertigungsgebäude errichtet. Für die damals gerade mal 13 Bediensteten blieb noch genug Platz für Wohnungen.
1923 erfolgte eine Aufstockung des Hauptbaues um ein Geschoss.
Im 2. Weltkrieg, am 18. April 1945 hat ein Bombenangriff das Gebäude stark beschädigt und den Anbau vollkommen zerstört.
In den Jahren 1950, 51 wurde der Hauptbau wieder instand gesetzt und der Anbau für die Zollniederlassung - später Zollabfertigungsstelle- neu errichtet.
Mit der wirtschaftlichen Entwicklung des 20. Jahrhunderts und dem Aufschwung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs sowie dem aufkommenden Tourismus in den 60er Jahren erlebte unter anderen das Grenzhauptzollamt Rosenheim seine Blütezeit.
Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union am 01.01.1995 fielen die klassischen Aufgaben der Grenzhauptzollämter weg. Konsequenterweise hat sich der Personalbedarf erheblich reduziert.
So war ein Strukturwandel in der Zollverwaltung mit neuen Aufgabenstellungen wie z. B. Bekämpfung der illegalen Beschäftigung, einer Aufgabenerweiterung im Vollstreckungsbereich, sowie Zusammenlegungen von Dienststellen die Folge.
Da es sich bei diesen neuen Arbeitsplätzen weitgehend um Innendiensttätigkeiten handelte, erforderte dies zusätzliche entsprechende Büroräume, die für den Bereich des Hauptzollamtes Rosenheim durch verstreut liegende Anmietungen beschafft wurden.

Der Neubau

Ziel des Neubaues war, die angemieteten Flächen aufgeben zu können und alle Arbeitsbereiche zusammenzufassen, um so ein effizienteres Arbeiten zu ermöglichen.
Benachbart zum alten Hauptbau ist ein lang gezogener, abgewinkelter Bau unter maximaler Ausnutzung des Baurechtes realisiert worden.
Die Form des Baukörpers hat sich durch den Zuschnitt des Grundstücks sowie den baurechtlichen Anforderungen, die maximal ausgenutzt wurden, ergeben.
In dem viergeschossigen Neubau wird die geforderte Hauptnutzfläche von 2.862 m2 untergebracht.
Der alte Hauptbau beherbergt weiterhin seine bisherige Nutzung.
Lediglich der erdgeschoßiger Anbau musste abgerissen werden.
Notwendige transparent gehaltene Fluchttreppenhäuser untergliedern den Gesamtbau in 3 Einzelbaukörper, womit die Planung der Bebauungsplanforderung nach einer “offenen Bauweise“ Rechnung getragen hat.
Der “Kopfbau“, der dem Altbau zugewandt und an diesen durch eine Stahl-Glas-Brücke angebunden ist, weist ein Erd- und Untergeschoß auf, die beiden anderen Baukörper sind aufgeständert. Hier befinden sich im Erdgeschoß die PKW-Stellplätze; auf eine Tiefgarage wurde aus Kostengründen verzichtet.
Die Straßenkreuzung Luitpold-/Münchenerstraße stellt eine wichtige städtebauliche Situation dar. Hier ist der Baukörper des “Kopfbaues“ etwas erhöht, um zum einen dieser städtebaulichen Situation gerecht zu werden und zum anderen dem darin befindlichen Sitzungssaal eine entsprechende Höhe zu geben.
In diesem Baukörper befindet sich auch in der Nähe der Brückenanbindung der Haupteingang sowie die Vertikalerschließung mit einer großzügigen Treppe und einem Behinderten gerechten Aufzug. Die umschließende Stahl-Glas-Fassade dieser Eingangshalle bietet ein starkes Maß an Helligkeit sowie Transparenz und stellt somit einen Bezug zum Altbau und dem Freibereich her.
Bei der Außenanlagengestaltung ist diese Zone zwischen Alt- und Neubau öffentlich zugänglich geplant worden.
Konstruktiv stellt sich das Gebäude als Stahlbeton-Skelettbau dar.
Die Sanitärkerne mit ihren StB-Wänden dienen zur Aussteifung.
Der Ausbau der Büroräume erfolgte mit leichten Trennwänden, die eine gewisse Flexibilität garantieren.
Ein durchgehendes, horizontales Fensterband bietet optimale Belichtungsverhältnisse und somit angenehmes Arbeitsklima.
Die Raumflexibilität wird dadurch zusätzlich unterstützt.
Im Brüstungsbereich verläuft ein durchgehender Kabelkanal, der flexibel EDV- und Stromanschlüsse ermöglicht.
Ein ca. 1.0 m auskragender, starrer Sonnenschutz im Sturzbereich der Fenster verhindert eine zu starke Raumaufheizung in den Hochsommermonaten.
Jeder Raum ist außerdem mit einem zu öffnenden Oberlichtflügel ausgestattet. In Verbindung mit einem zentralen Abluftsystem, an das jeder Raum angeschlossen ist, kann bei geöffnetem Oberlichtflügel während der Nacht die kühle Luft einströmen. Somit finden die Bediensteten des Hauptzollamtes morgens ein angenehm temperiertes Büro vor. Eine auf Abstand gesetzte Festverglasung vor dem Öffnungsflügel dient als Einbruchs- und Regenschutz.
An der Westseite ist ferner ein außen liegender, beweglicher Lamellensonnenschutz montiert, um die flacher stehende Nachmittagssonne abzuhalten.
Das Flachdach des Neubaues ist mit einer extensiven Dachbegrünung bestückt.
Das Niederschlagswasser wird in Rigolen mit einem Fassungsvolumen von 40.000 Litern gespeichert und dem Gebäude zur WC Spülung wieder zugeführt.
Nach einer Bauzeit von 23 Monaten konnte das Gebäude im Oktober in Betrieb genommen werden.
Die Gesamtkoordination und Planung Hochbau sowie die Bauleitung in der Ausbauphase lag in den Händen des Staatlichen Bauamtes Rosenheim.
Die Fachplanungen und Statik wurden an frei beruflich Tätige vergeben.
Die sehr kooperative Zusammenarbeit mit den Nutzern war für den Planungsprozess sehr hilfreich.
Die Baukosten betrugen 7,8 Mio €.

Dipl. Ing. Architekt
Peter Mack
Staatliches Bauamt Rosenheim

Daten:

Zeitablauf:
• Planungsauftrag EW- Bau 18.03.2003
• Erweiterter Planungsauftrag EW- Bau 21.07.2004
• Vorlage EW- Bau 03.11.2004
• Planungsauftrag Afu Bau 21.02.2005
• Baubeginn November 2005
• Richtfest 11.07.2006
• Fertigstellung Oktober 2007

Planungsbeteiligte:
• Gesamtkoordination Staatliches Bauamt Rosenheim, Abteilung L1
• Hochbauplanung und Bauleitung im Ausbau Staatliches Bauamt Rosenheim, Abteilung L1
• Statik und Bauleitung Rohbau IB Kirmair Bad Aibling
• Heizung, Lüftung, Sanitär IB Steinberger Traunstein
• Elektro IB Sterr Landshut
• Außenanlagen IB Schurr Rosenheim
• Sicherheitskoordinator I IB Rinne Frasdorf